Wenn Du eine Katze hast, kannst Du von diesen MeisterInnen des Loslassens viel lernen. In Sekundenschnelle haben sie es sich auf ihrem Lieblingsplatz bequem gemacht und zeigen uns die Kunst der Entspannung. Genauso schnell sind sie auch wieder wach und aktiv, wenn z.B. ein Geräusch ihre Aufmerksamkeit erregt.

„Loslassen“ ist auch das große Thema dieser herbstlichen Jahreszeit. Ein Freund aus Spanien hat uns gestern einen Auszug aus dem Buch „La Sabiduria Del Vivir“ von José María Toro gesandt. Sinngemäß sagt der Schriftsteller folgendes:

Die Blätter fallen nicht, sondern sie werden freigegeben …

Kein Blatt „fällt“, sondern beginnt im Herbst einen wundervollen Tanz. Jedes Blatt wird freigegeben als ein höchster Akt der Großzügigkeit und tiefer Weisheit. Das Blatt kann sich nicht am Ast festklammern, es springt in den leeren Raum in dem Gedanken an Bewegung und Erneuerung! Es ist ein Lied der Freiheit. Jedes Blatt singt: lass los! Gib dich hin! Vertraue!
Es fällt hinunter in dem Wissen um Werden und Vergehen und der Gewissheit, Nahrungsquelle für die nächste Generation von Blättern zu sein.
Wenn Blätter festgehalten werden, werden diese vom Wind „entwurzelt“. Das ist schmerzhafter und aggressiver. Sie fallen unter dem Gewicht der eigenen Schmerzen zu Boden.

Nur durch Loslassen entsteht Neues
Herbstzeit heisst für die Natur: Loslassen. Auch uns täte es gut, uns von „alten Ästen“ zu trennen, damit Neues wachsen kann. Aber, wie Roswitha Maria Gerwin in ihrem Buch „Das Yoga-Jahr“ schreibt: „Das Loslassen ist unser schwerster Beitrag in der Lebensbewältigung.“ Die Anforderungen unseres Alltags sind hoch und wir sind auf Tun, Machen, Erledigen… eingestellt. Sehr oft sind wir uns unserer eigenen Anspannung gar nicht mehr bewusst und können dadurch auch nicht wirklich loslassen. Manchmal versuchen wir, uns gerade aufzurichten, damit der Rücken nicht so schmerzt. Oder wir kreisen etwas mit den Schultern, weil die sich verspannt anfühlen. Aber all das hilft nur einen kleinen Moment.

Der Yoga sagt: Üben (abhyasa) und Loslassen (vairagya)
In den alten Yogaschriften wird beschrieben, welche wesentlichen heilenden Veränderungen das Loslassen mit sich bringt. Die Körperübungen des Yoga sind dabei sehr unterstützend.

Nur ein regelmäßiges Üben bringt Erfolg! Durch das Üben von Yogahaltungen – Anspannung beim Einnehmen der Haltung, Entspannung nach der Übung (mit der Zeit auch während der Übung :-)) – beginnen wir zu erkennen und zu fühlen, wie es uns tatsächlich geht: dass da nämlich ganz viel „Festhalten“ im Körper ist und wir uns entfernt haben von unseren Gefühlen und Wahrnehmungen. Diese melden sich nämlich rechtzeitig! Nur wir sind es nicht mehr gewohnt, mit unseren inneren Ohren zu hören.

Yoga ist also Bewusstseinsschulung!

Leichte, ruhige Bewegungen oder Bewegungsreihen sind sehr gut zum Einstieg in eine Yogapraxis. Ebenso das Erfahren der eigenen Atem-Gewohnheiten und die langsame Vertiefung der Atmung. Denn durch beides kann das vegetative Nervensystem wirklich zur Ruhe kommen. Erst wenn dies erreicht ist, geschieht Entspannung und Loslassen.

Hier eine kleine Bewegungs- und Atemübungsreihe zur Entspannung für Dich:

Im Fluss der Stille

Komm in die Rückenlage. Winkle Deine Beine an und stelle die Füsse vor dem Gesäß auf.

Einatmen –  Hebe einatmend die Arme an und leg sie neben dem Kopf am Boden wieder ab.

Ausatmen – Bringe ausatmend die Arme wieder zurück neben den Körper.

Ausgeatmet bleiben = Atemleere – Hebe beide Arme in der Atemleere wieder an und lege sie neben den Kopf auf den Boden.

Nimm hier bewusst die Atemleere wahr!

In dieser Position bleiben und Einatmen

Nimm bewusst das Einströmen des Atems wahr!

Ausatmen – Lege die Arme mit dem Ausatmen zurück neben den Körper.

Lasse den Ausatem bewusst ausströmen!

Wiederhole diese Übung einige Male, lass sie mit der Zeit immer fließender und harmonischer, wenn möglich langsamer werden. Bleibe bei allen Bewegungen weich im Bauchraum und weich in den Schultern. Wenn Du die Übung beendest, lass die Beine ausgleiten, atme ganz natürlich weiter und genieße noch eine Weile deine innere Stille. Frage Dich: wie spüre ich den Atem jetzt? Was fühle ich? Wie ist mein Befinden? Sei bewusst mit Dir!

Namasté